Mittwoch, 16.04.08
Donnerstag, 17.04.08
Freitag, 18.04.08
Samstag, 19.04.08
Sonntag, 20.04.08
Montag, 21.04.08
Dienstag, 22.04.08
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Olli und Robin, zwei Kulturmanager auf einer zweiwÖchigen Reise im Iran (Teheran und Isfahan).
Seit Herbst planen wir ein Kulturprojekt mit dem Titel »Generation global – Lebensentwürfe der jungen Generation - Interkultureller Austausch mit den Partnerstädten Freiburgs: Isfahan, Madison und Matsuyama. Im Mai kommen die Künstler aus den Städten, um eine Ausstellung vorzubereiten. Eine Kultur-WG, repräsentiert durch vier Zimmer und die Gemeinschaftsräume, in denen sich die Kulturen widerspiegeln. Begleitet wird die Ausstellung von literarischen, kulinarischen, künstlerischen und kommunikativen Aktionen. Dieser Blog entsteht durch tägliche Mails der beiden, ich schreibe es zusammen und dieser Blog geht auch in das Projekt ein…
Mittwoch, 16.04.08
Alles anders als geplant. Nach entspanntem Grenzübertritt und interessanter Flugzeugbekanntschaft fühlen wir uns zunächst wie KÖnige, als wir jeder für rund 300 Euro einen 5cm Stapel Rial erhalten. Doch schon am Taxistand wäre uns ohne die Hilfe des Übersetzers ein guter Teil wieder genommen worden. Die Preise sind schwammig für Touristen, alles kostet irgendwas Rundes im Betrag – und ist Verhandlungssache.
Gegen Mitternacht kommen wir im Hotel in Teheran an. Die Strassen schon leer gefegt, nur bunte Leuchtreklamen und viel Gefunkel in den Parks. Eine 10 Millionenstadt schließt um 24:00 seine Pforten. Unser Nachtspaziergang, hungrig und durstig auf der Suche nach einem Lokal, bleibt erfolglos. Die Polizei lässt vor unseren Augen das letzte schließen.
Donnerstag, 17.04.08
Da der Hotelpreis nicht dem abgesprochenen entsprach, wurden Telefonate geführt und letztendlich hieß es »company pays«. Ausgecheckt und mit dem Taxi in rasantem Tempo durch die nun wieder super belebten Strassen der Hauptstadt, der Verkehr ist abenteuerlich. Es geht nur ums Ankommen, Hupen, lauter, schneller...
Mit dem Bus in Richtung Isfahan, leider ohne dass wir wussten, wo wir unterkommen kÖnnten, da sich aufgrund der anfänglichen Planänderung alles verkomplizierte. Doch bevor wir trübsinnig werden, wurde uns schon im Bus (trotz mangelnder oder gar keiner Englischkenntnisse) eine wahnsinniges Interesse entgegengebracht Die Leute ließen sich fotografieren und mit Händen und Füssen wurde kommuniziert.
In Isfahan angekommen, gewÖhnen wir uns so langsam an das Spiel: Feilschen um Taxipreise, Interesse und Grüsse auf der Strasse. Da wir bisher, um 8 Uhr abends, immer noch keine Unterkunft haben, sitzen wir mit allem Gepäck im Internetcafe. Fotos kommen hoffentlich morgen.
Bis dann,
Oliver & Robin
Donnerstag 17.04.08 Abend
Die Zeit tickt hier anders, alle geht anders, und ist für uns wie alles andere
nicht immer oder nur kaum zu kontrollieren.
Das hat auch eine Gegenseite, und so ergibt sich aus dem Nichts eine LÖsung: während ich noch im Internet beschäftigt war, stand Robin vor der Tür, rauchte und lernte eine Person kennen, die uns in unser jetziges Hotel brachte. Der Preis, das muss man wissen, ist immer im Vorhinein auszumachen. Und der war mit 10000 Toman tatsächlich in Ordnung, auch wenn es natürlich besseres und billigeres gibt.
Nachdem wir unser Domizil bezogen haben, sind wir hinaus in die Stadt, essen. Kebap ist das Gericht, das hier neben »ice cream« überall zu finden ist. Am Fluss grüssen uns wieder Wildfremde » Hi, Hello, Hallo, how are you, hi mister«. Hupen, Schreie aus den Autos. Unglaublich, drei bunte Hunde aus Deutschland. Zwei bis drei Worte genügen, um eine Menschentraube um sich zu sammeln.
Freitag 18.04.08
Auf dem Programm stand eine Person aus unserer Isfahangruppe zu kontaktieren. Leider sagte der Angerufene nur: »you are wrong« Auch konnten wir Frau Chahin DÖrflinger , die Vorsitzende des Freiburg-Isfahan Vereins nicht erreichen, die mit dem Flugzug am Spätnachmittag aus Bam in Isfahan eintreffen sollte. Wir überbrückten die Zeit mit sightseeing bis mittags. Wir zählen 5-10 neue Kontakte in der Stunde, aus den Autos, Bussen von den Motorrädern wird gewunken. Jeder will wissen, woher wir sind, auch wenn ihnen teilweise Deutschland bzw. »Germany« als Land unbekannt ist - sensationell, 5 Minuten lang ein Star in Isfahan. Selbst Polizei und Militär sind freundlich. Soviel Gastfreundlichkeit, soviel Entgegenkommen ist uns auf all unseren Reisen noch nie widerfahren.
Nur die tatsächlichen Kontakte, die sind nicht zu erreichen, zumindest nicht die von der Vereinsgruppe. Es gibt nämlich noch eine andere Gruppe, ein Künstlerkollektiv, das ebenfalls interessiert ist an der Teilnahme bei der Ausstellung, jedoch bisher noch nicht die Zeit für uns fand. Zu Mittag aßen wir trotz aller Angebote im Hotel Abasi, »the oldest hotel in the world« Das Essen war nicht ganz nach unserem Geschmack und wir sollten besseres kennen lernen.
Am Nachmittag konnten wir endlich Fatima, die Vereinsvorsitzende doch noch erreichen, und den Treffpunkt im Armenierviertel Jolfa ausmachen. Die Gruppe, mit der wir zusammenarbeiten, trifft sich immer in einem privaten Kulturzentrum Digar. Wir brachten der wartenden Leiterin des Zentrums und den Projektteilnehmern Nasibeh, Amir und Reyehe Schokolade mit. Bei Tee und Teilchen stellten wir uns gegenseitig vor. Spannend war die drei kennen zu lernen, die uns auch in FR besuchen werden.
Die Gruppe hat sich wahnsinnig viel Mühe bei der Beantwortung der Projektfragen gegeben. Die Resultate sind sehr gut und Freiburg kann sich definitiv auf ein spannendes Isfahan-Zimmer freuen. Die Leiterin sehr nett und hat sehr gute Kontakte. So langsam tritt die Idee, die Zeit in Isfahan zu kürzen, um auch Shiraz und evtl. den Norden zu sehen, in den Hintergrund.
Abschließend fahren wir allesamt auf den Grossen Platz bei der Freitagsmoschee, uns wird ein bisschen von der Altstadt gezeigt und wir essen Eis in einer lauen Orientnacht.
Samstag 19.04.08
Heute morgen hat uns Nasibeh am Hotel bereits um 9 abgeholt, wieder ins Armenierviertel. Endlich Kaffee, der war uns bisher vergÖnnt, überall Tee. Besichtigung einer armenisch-christlichen Kirche, eine wie generell alle Anlagen der Stadt - wunderschÖn gestaltete Architektur. Neben der Brücke und der Freitagsmoschee mit dem Bazar der dritte fantastische Bau, der unsere Faszination weckt. Wir wurden von einer Gruppe verschleierter Mädels frenetisch mit Handyfotoattacke begrüßt. Bisher hielten sich die Mädels etwas zurück, winkten schüchtern oder es kam ein »hi«, doch nun wollten sie Fotos, mit uns, von uns, es war unglaublich witzig. Die Kirche war ein highlight, und es gab einen schÖnen Einblick in das Leben der Christen als Minderheit, ich hoffe, darüber mehr erfahren zu kÖnnen.
Bazar ansehen, erleben, fühlen, ein Paar Fotos und essen. Die beiden Vegetarier haben
ihre Essgewohnheiten schon bald aufgeben müssen, denn es gibt Fleisch, auch wenn »Chicken« nach iranischer Sitte da nicht dazu gehÖrt. Es gab Fesenjan, ein süßsaueres Hünchen mit viel Sauce und Reis. Lecker, typisch aus Isfahan und weiterzuempfehlen. Das wird es auch in der Kultur-WG geben.
Die Strassen hier sind voller junger Menschen, nahezu alle haben die 20 noch nicht oder gerade erst überschritten. Eine andere Welt, Deutschland und der demographische Wandel verzerren hier das Bild. Ebenso erstaunlich der inflationäre Gebrauch des Handys - jeder ist immer am Telefonieren…
Viele Grüße,
Oliver
Samstag 19.04.08 (Fortsetzung)
Unsanfte Landung
Mit dem Ende der gestrigen Internetsession war auch erstmal Ende mit entspanntem Flair. Die unglaublich schÖne Welt Isfahans, wie aus 1001 Nacht, mit ihren Moscheen, ihren grandiosen Parkanlagen, ihrer Mystik und Religion, in der wir drei herumschweben wie drei Außerirdische, war zu schÖn. Am Nachmittag bringt uns eine Begegnung mit der zweiten Gruppe, wieder auf den Boden zurück.
Die eine Gruppe aus dem Kulturzentrum ist uns bereits ab dem ersten Betreten ein Zuhause, eine Basis, ein Vermittler und Übersetzer. Die andere Gruppe ist ein Künstlerkollektiv und nennt sich Isfahan Painting Society, welches dem ein oder anderen Freiburger durch die Ausstellung iran.com ein Begriff sein kÖnnte. Diese basteln mit ganzen 15 Mann und Frau an Ideen für das Isfahan Zimmer. 15, das klang schon am Telefon nach viel, und das Treffen mit
einer der Künstlerinnen im Hotel Abasi war, besonders auch da Nasibeh aus der anderen Gruppe zugegen war, durchaus kompliziert. Das Problem war, dass die Gruppen nicht von einander wussten, wir zwar den Fakt am Abend zuvor kommuniziert hatten, allerdings dieser nicht wirklich als solcher verstanden wurde - big confusion war hier erst mal angesagt. Nach langem Hin und Her im Hotel Abasi einigte man sich auf ein Treffen in dem Kulturzentrum am gleichen Abend. Wir fuhren daraufhin noch zur Moschee, um diese von innen kennen zu lernen und entsprechend abzulichten. Wir hatten jedoch nur das Problem im Kopf, dachten über unser Verschulden, unsere Unwissenheit und Zweifel nach. Das Treffen, von dem wir uns Synergien versprachen, von dem wir uns erhofften die beiden Gruppen zusammen zu führen, fiel ins Wasser, wie wir telefonisch von dem Uebersetzer des
Künstlerkollektivs erfuhren. - sie waren, nach seinen Worten, ausgeladen worden. Einigermassen angespannt fuhren wir nun zu dem Zentrum - besonders da uns das Zentrum und die Projektmitglieder eine nahezu familiäre Atmosphäre bieten - und wir nun nicht wussten, was gespielt wird. Wir zerbrechen uns den Kopf, rätseln, basteln an mÖglichen Erklärungsansetzen, bis wir verstehen, dass wir am Ende der Problematik recht machtlos
gegenüberstehen.
Nach einer weiteren rasanten Taxifahrt erreichen wir das Institut, unser zweites Zuhause. Der Ehemann der Institutsleiterin, ein Kunstprofessor an der Isfahaner Universität begrüßte uns mit einer bedächtigen Ansprache, wir tranken Tee. Wir sprachen über Isfahan, Deutschland, das übliche, entdecken schnell unsere Sympathien, grinsen, lachen, erzählen. Nach der ausgedehnten Einführungsrunde lenkt er das Gespräch zu jenem Künstlerkollektiv, teils
ehemalige Studenten von ihm. Dies, ob absichtlich oder auch nicht so konstruiert, bot uns die Gelegenheit die Sache von vorne aufzurollen. Die Stimmung hatte etwas melodramatisches, denn es erschien uns, als wären die Anwesenden von der Existenz der zweiten Gruppe nicht
übermäßig begeistert. Daher war es besonderst wichtig für uns, alles zu versuchen, die Beteiligten von einem positiven Synergieeffekt zu überzeugen. Letztlich wurde eine der Künstlerinnen für Montag ins Institut eingeladen, ein Treffen in deren Atelier für heute
vereinbart und beschlossen, dass man eine Auswahl der Werke für das Isfahanzimmer träfe. Es war eine schwierige Angelegenheit, sicherlich nicht nur für uns, doch letztendlich war mangelnder Kommunikation ihr AuslÖser, jedoch nicht nur von unserer Seite. Denn dass es diese Gruppe gab, bzw. diese in das Projekt miteingegliedert werden sollen, wurde am Vortag nicht übermittelt, deutsch-persische Verpeilung und die Englischfetzen sorgten hier für regelrechte Hochspannung in den letzten Tagen...
Nach dem jedoch die Sache gemanaged war, ist der gute vibe hier in der Runde einfach unzerstÖrbar. Wir warten mit Nasibeh, Reyeh und Amir rund eine kurze dreiviertel Stunde auf das berüchtigte »Iranian fast food« und landen schließlich gegen Mitternacht wieder im Hotel. Ausgepowert schmeißen wir uns in die Kojen, reflektieren den Tag gemeinsam, besprechen, diskutieren, kritisieren, lernen voneinander. Am Abend vereinbaren wir noch mit Lucy, einem armenischen Mädel, die die letzten 5 Jahre in Zypern verbracht hat und lediglich die Sommer in Isfahan verbringt, ein Treffen vor der armenischen Kirche um das Viertel mit Hilfe der Kenntnisse einer Einheimischen kennen zu lernen. Wir sind gespannt auf den nächsten Tag, ein weiteres Abenteuer in dieser bezaubernden Stadt, der gastfreundlichsten Stadt, die wir je bereisen durften.
Sonntag, 20.04.2008
Im Sonnenuntergang wandern wir begleitet von Hupkonzerten, aufbrausenden Motoren, Menschenschwärmen durch die Stadt in Richtung Mehdan Iman Square (dem drittgrÖßten Platz der Welt). Dort gibt es neben zwei Moscheen noch die kÖnigliche Residenz Ali Quapu (Hohe Pforte). Von deren großer Terrasse aus blicken wir über eine die Daecher dieser Oasenstadt - diesem Traumtempel. Der Blick ist hypnotisierend, eine riesige Stadt umringt von Bergen, in dieser Szenerie kann man sich treiben lassen, sich in seiner Phantasie
versenken, alles erscheint so unbegreifbar ruhig, spielt sich in Zeitlupe ab, so langsam, gemächlich, entspannt - wir haben ein neues Zuhause gefunden.
Betrunken vor Sonne schweben wir über den Platz und verschwinden im südlichen Teil des Basars zum Abendessen. Das Restaurant/Teehaus ist eins der bekanntesten Isfahans und für Besucher der Stadt eins von diesen – Da muss man hin. Hier gibt’s nach zahlreichen
Fehlversuchen endlich vegetarisches Essen "beduneguscht" und eine gemütliche Atmosphäre. Die Gerichte sind ein Gaumenschmaus und auch wenn vergleichsweise teuer, schwer zu übertreffen. Wie gewohnt sind wir bester Laune, quatschen, spaßen, schwatzen mit unserer
armenischen Freundin. Oooooooops - in unserem Zeitvakuum hätten wir fast unser bevorstehendes Treffen mit den Kuenstlern der Isfahan Painter Society verschwitzt. Nach einem raschen Aufbruch folgt eine rasante Taxifahrt quer durch die Stadt bis vor die Schwelle der Künstlervereinigung.
Ihre Kreativzentrum liegt gut versteckt und verwinkelt ganz in der Nähe des Flusses und der bekannten 33 Bogen Brücke. Dort angekommen werden wir zu unserem Erstaunen von einer riesigen Gruppe von Künstlern erwartet, die allesamt ihre Zeichnungen, Malereien, Skulpturen, Videos etc. in Form einer kleinen Ausstellung aufbereitet haben. Nach kurzem kennen lernen, werfen wir erste Blicke auf die Werke der Künstler und es wird zu unserem Bedauern recht schnell deutlich, wie wenig die Idee des Projektes bei den Künstlern hier angekommen ist. Bei der Übermittlung sind wohl wichtige Infos verloren gegangen – junge Generation, Lebensentwürfe, Unterprojekte…
Nach kurzen Gesprächen mit vereinzelten Künstlern verstärkt sich dieser Eindruck und wir schlagen vor, die Projektidee noch einmal direkt zu erklären. Dank unserem begabten Übersetzer steht dem auch nichts entgegen und kurze Augenblicke später befinden wir uns an
einer langen Tafelrunde und präsentieren die Projektidee. Für uns sicherlich eine der interessantesten Erfahrungen was unsere zukünftigen Tätigkeiten als Kulturmanager anbelangt. Uns gegenüber sitzen ca. 20 iranische Künstler, d.h. 40 gespannte, fragende,
kritische Augen und warten gespannt auf die Übersetzungen, stellen Fragen, geben Anmerkungen usw. Nach längerem Ping Pong Spiel und Beseitigen von Unklarheiten, einigen wir uns darauf, dass diejenigen, die interessiert sind und bereits passende Arbeiten entworfen haben, uns diese in den nächsten Tagen zukommen lassen, damit wir dementsprechend eine Auswahl treffen kÖnnen. Die Sitzung lÖst sich langsam auf und nach und nach erreichen uns Vereinzelte mit CDs ihrer Arbeiten. Kurz darauf werden wir überschwemmt mit CDs ihrer
Malereien, Zeichnungen, Fotos, Skulpturen, Kurzfilmen etc. Viel Arbeit für die nächsten Tage!!! Nachdem ein Grossteil der Künstler sich verabschiedet und die Ausstellung abgebaut wird, teilt man uns mit, man würde uns gerne eine kleine Präsentation von Kurzfilmen im
Videoraum zeigen wollen. Leicht geschwächt begeben wir uns in den zweiten Stock dieses geräumigen, sympathischen Hauses und schauen die Kurzfilme. Entgegen unserer Erwartungen werden wir überrascht von den exzellenten und zu unserem Thema passenden Filme. Die Freiburger und alle weiteren Besucher der Ausstellung dürfen gespannt sein...
Nach gemütlichem Ausklang erhalten wir vom Leiter der Painting Society eine unablehnbare Einladung in irgendein Restaurant, durchqueren erneut die halbe Stadt, essen das dritte wohlschmeckende Mal und landen am Ende mit vollstem Magen bei unserem Gastgeber zu
Hause. In dieser geräumigen Örtlichkeit gibt es Tee, Datteln und jede Menge Leinwände zu betrachten. Zur KrÖnung zeigt er uns eine seiner letzten Videoarbeiten, von der wir fasziniert sind. Sie scheint wie für das Projekt gemacht und wird definitiv bei Global Generation im
kommenden Juni zu sehen sein. Nach längerer Unterhaltung fahren sie uns noch zum Hotel, wir wecken wie gewohnt den Portier und fallen total geschafft ins Bett...
Montag 21.04.2008
Kommunikation ist alles, das wird einem klar in einem Land in dem der lateinische Buchstabe kaum zählt, das Englisch mal so, mal so ausgelegt wird, und die Sitten und das soziale Verhalten einfach anders ticken. Das sorgt nicht nur für enorme Erheiterung, grandiose
Lachflashs, nein es kann auch echt unangenehm werden, so am vergangenen Montag.
Montag also, in Deutschland unser liebster Tag, war hier zunächst ein Desaster. Da wir noch tief nachts mit der Painter Society Kebap essen waren, konnten wir uns am nächsten morgen nicht gleich zu den drei täglichen Eiern und dem immer gleichen Hoteltee überwinden, und sind nüchtern in den Stadtteil Julfa gefahren, wo es bekanntlich den besten Kaffee gibt. Wir trafen vor der Vank Church auf Nasibeh und Lucy, gingen mit diesen in unser Lieblingscafe, tranken den Cafe, und bekamen nach dem zweiten oder dritten dann doch Hunger...Nasibehs
Schwester, eine ganz liebenswürdige Frau, die wir schon hin und wieder getroffen hatten, und die nun mit ihrem Sohn vor Ort war, lief gleich bei dem Wort Breakfast los, um etwas zu kaufen - ohne das es einer wissen konnte, schließlich konnte sie sich uns nicht mitteilen.
Robin, Nasibeh und ich gingen derweil in eine Bar, orderten Fruchtsalat und Kuchen, und ließen Franz im Cafe sitzen, damit er mit Lucy Herrn Arilig antreffen konnte. Dieser wollte uns schließlich die Kunstuniversität zeigen, in welcher er selbst als Professor für Skulptur tätig ist.
Der Fruchtsalatbarkeeper ließ sich übermäßig viel Zeit. Da das Treffen mit Herren Arilig eigentlich auf 9.00 angesetzt war, wie wir nun um 11.00 erfuhren, griffen uns Franz, Lucy und Herr Arilig in der Bar auf, damit wir endlich die Uni sähen. Nasibeh blieb bei dem lahmen Barkeeper, um das Frühstück später uns zu bringen. Da ist eine HÖflichkeit, Gastfreundlichkeit und Großzügigkeit am Start, für uns Mitteleuropäer unfassbar!
Nun, wir besuchten den Teil der Uni, der dafür ist, dass die berühmten Isfahanteppiche berühmt bleiben, erhielten eine nette Führung - und jede Menge Kuchenstückchen, Bonbons, Schokolade, jaja!! Nasibehs Schwester brachte zwischendurch noch einiges von einer Konditorei, Kuchen, Milch, Backwaren...und dann kam Nasibeh aus der Bar mit Unmengen an Fruchtsalat, Sahne, weiterem Kuchen! Es war unfassbar, auch unfassbar heiß mittlerweile, und wir waren schon nahezu satt. Wir mästeten uns mit dem Fruchtsalat, aßen Kuchen bis uns schlecht wurde, und Franz, vollkommen überfordert mit dem Kram, bat die Mädels mit ihm
gemeinsam den Salat zu verspeisen.
Dann gab’s den ersten Deut auf die strengen iranischen Regeln ein weiterer gemeinsamer Biss, und wir müssten die Uni verlassen. So kann’s also auch gehen: mal fragt man sich was los ist mit den ach so strengen Gesetzen und Regeln hier, die nur so gebrochen werden wollen, dann gibt’s auch mal wieder solche Hinweise. Es war erstmal sehr peinlich, doch dann auch mal wieder sehr lustig, besonders für uns drei Chaoten, satt und überladen mit Kuchen ging’s dann weiter in den Park, ausruhen, und weiteren Palast betrachten. Robin und ich gingen im Park eine Schulklasse Mädels fotografieren, es war ein unglaublicher Spaß, erschrocken, erfreut, lachend - tolle Bilder, denken wir. Und es gab weiter von allen Seiten Chips, Bonbons, Schokolade, »how are you«. Wir ließen Robin mit einem Soldaten und seinen Homies im Park Gitarre spielen, es wurde gesungen, sich ausgetauscht und auf ein Wiedersehen gehofft. Dann fuhren wir mit den Mädels zur Ältesten Moschee der Stadt, der ehemaligen Freitagsmoschee. Hier trafen wir auch auf Reyehe, die uns einen besonderen Blick in diesen Ort werfen ließ. Zum ersten Mal! sahen wir die Leute tatsächlich beten, die Gebetsräume überhaupt, und waren überaus beeindruckt von diesem spirituellen Ort. Nach einem kurzen Durchlauf durch den hiesigen Basar, trafen wir Robin wieder und fuhren
alle gemeinsam, nach kurzem Zwischenstop im Hotel, zum Digar Institut Dort wollten wir uns auf das Treffen mit Mino, der Vertreterin der Painting Society, die an diesem Abend für Gespräche über eine gemeinsame Arbeit ins Diagar kommen sollte, vorzubereiten. Wir haben die CDs der Kuenstler mit Nasibeh, Reyehe und Amir durchgesehen, um herauszufinden, welche Werke wir gerne noch im Zusammenhang mit dem Thema global generation
in Freiburg zeigen wollen.
Da Minoo Iranpoor dann doch schon bald erschien, war es uns unmÖglich alle 17 CDs durchzuklicken, und wir gingen etwas unvorbereitet zu dem letztlich sehr gutem Gespraech, das hauptsächlich zwischen Minoo und Frau Arilig ablief. Wir machten noch mal unsere Hoffnung deutlich, dass wir auf eine gute Zusammenarbeit für dieses und weitere Projekte
hoffen - was für beide Institute gelten soll - und dass es uns eine große Freude und Ehre sei, mit jenen zusammenzuarbeiten. Frau Arilig war sehr gerührt von unseren Motivationen, und uns wurde schließlich mitgeteilt, dass sich beide Institute sehr freuen, zusammenarbeiten zu
kÖnnen, und das Beste für Isfahan zu erreiche. Das klang optimal, auch wenn man nicht immer weiß, was im Hintergrund gespielt, gedacht, und passiert ist. Absolute Erkenntnis: wir decken hier immer nur maximal 10% von dem auf, was tatsächlich abgeht, siehe Kommunikation Frühstück.
Nachdem das alles so positiv gelaufen ist, ging’s mit Herrn Prof. Arilig auf den Stadtberg, es war bereits dunkel. Frau Arilig fuhr mit ihrer Tochter Reyehe nach Hause, um uns allen ein Abendessen vorzubereiten.
Der Blick von dem Berg war sagenhaft, und wir bereuen ein wenig, den nächsten Tag schon so voll gepackt zu haben: Treffen in der Painting Society, Einkaufen für die Ausstellung und Abfahrt nach Teheran und nicht noch einmal tagsüber auf den Berg und auch zu der hÖher
gelegenen Burg aufbrechen zu kÖnnen.
Das Abendessen bei den Ariligs war sensationell. Westlich, was Kleidung und Haushalt angeht, das Haus riesig, schÖn und selbst entworfen. Ein Tisch voller leckerster Speisen, großteils vegetarisch, aus Rücksicht nach den Fleischlawinen der Vortage. Es war alles so
herzlich, die Mutter spricht kaum englisch, ist aber eine absolute Powerfrau, und an dem Abend funkt die Kommunikation auch so. Der Prof, ein Supertyp, mit interessanten Ansichten, einem goldigem Humor, und interessantem Wissen zu Teppich und Handwerk in Isfahan - tief verwurzelt in der Isfahaner Stadtgeschichte. Natürlich hatten wir gegen 18 Uhr noch eine Pizza eingebaut, so dass das Essen nun gegen 22.30 zwar schon wieder gut zu managen war, es gab nach und nach immer mehr, und dann noch Nachtisch und so fort, und es wurde spät, wir rund, und am Ende ging es mit Herrn Arilig, nun unserem Taxifahrer, zurück ins Hotel, so gegen 2. Der nächste runnig gag, das Hotel war wieder zu, unser Portier war wieder aus der Lobby zu wecken, und diesmal gab’s Trinkgeld für ihn - wir haben uns tot auf den toten Strassen der Stadt gelacht...
bis bald
Oliver
Dienstag, 22.04.2008 letzter Tag in Isfahan und der Weg nach Teheran
Unser letzter Tag in Isfahan. Wie so häufig, ist es auch diesmal: dann, wenn man sich so einigermaßen eingelebt und eingefühlt hat in einen Kosmos, muss man diesen wieder verlassen, für das nächste Abenteuer. Doch der Abschied war dann doch schwer, die Leute werden uns fehlen, die entspannte Atmosphäre in der Stadt, die so ganz anders ist als der Rush in Deutschland. Und große Lust auf 6 Stunden Busfahrt waren nach dem Aufstehen auch noch nicht zu verspüren. Zunächst bis zur deadline, 16.00, alles mitnehmen, was noch drin ist, soll heißen: Einkaufen - Bücher, CDs und sofort, damit der Betrachter zu Hause erfährt, was der junge Mensch aus Isfahan liest und hÖrt, womit er sich seinen Lebensentwurf zusammenschraubt. Nasibeh und Rayehe begleiten uns in die Shops und in den Basar, damit der Preis auch dem entspricht, den die global generation vor Ort zu zahlen hat. Im CD-Laden gab’s dann nicht den persischen Rap, der aus all den Taxis drÖhnt, vor allem in Teheran. Das sei verboten, den Trend bringen die Emigranten aus den USA, wie so vieles andere auch. Kurz später, in einem der vielen Kunsthandwerksläden auf dem Basar gab’s dann Eminem und gute Preise - das Land der tausendundeins Widersprüche.
Um uns noch einmal bei den beiden Mädels zu bedanken, gehen wir erneut in das Restaurant oberhalb des Basars, essen und trinken gut - und begegnen einer deutschen Schulklasse aus Berlin, der einzigen, die eine Verbindung zu einer iranischen Schule (Teheran) bundesweit
pflegt, eskortiert von drei fett bewaffneten Systemsoldaten. Damit die Sache für uns nicht unangenehm wird, setzen wir uns um - der Staat ist überall.
Dann steht das letzte Treffen mit der Paintersociety an, weitere CDs von Künstlern werden uns gereicht, (auch im Hotel wurden uns noch zahlreiche hinterlassen), und wir besprechen den weiteren Verlauf bis zur Ausstellung. Es ist alles herzlich, wir fragen noch nach Tipps für Teheran und werden zum Busterminal gefahren. Rayehe, Minoo der Uebersetzer und sein Cousin begleiten uns, und laden uns - übertrieben wie vieles - auch noch auf die Busfahrt ein,
Widerstand wird da nicht geduldet.
6 Stunden Busfahrt, im Sonnenuntergang, nächtliches Ankommen in Teheran. Die Stadt lebt noch, und wir nehmen das erstbeste Taxi zum Apartement von Frau Chahin Doerflinger im schÖnen Norden der Stadt.
Herzlich werden wir von ihr und ihrem Mann aufgenommen, haben noch interessante Gespräche, überlegen die Pläne für den kommenden Tag und tatsächlich - wir erfahren tatsächlich einmal ohne Chiffren was abgeht in diesem Land - teils überrascht, teils schockiert wandern wir in unser Zimmer - schließlich sollen wir Mittwoch in aller Frühe auf
dem Stadtberg stehen.
Nun ist auch bald alles gelaufen hier, leider, ist einfach ne krasse Zeit.
Bis dann bald,
Oliver
HÖrt sich alles sehr spannend an - ich hoffe ich kann dann im Mai mal zur Ausstellung vorbeischaun. Viel Spass noch euch Dreien da unten und bis denn
Verfasst von Ali am Fr, 18/04/2008 - 16:11.Nicht schlecht auch was von euch zu hÖren ;)
Mich würde aber interessieren inwiefern dieser Block in der Ausstellung auftauchen wird.
Verfasst von Lucas am Mo, 21/04/2008 - 11:08.HÖrt sich super spannend an in solch einem Land zu reisen!
Verfasst von Gast am Do, 24/04/2008 - 11:08.Kommentar hinzufügen